Realsatire?

Für Pflegebedürftige und Angehörige seien die neuen Qualittätsdarstellungen schwerer zu durchschauen, als die „Pflegenoten“, sagt Eugen Brysch (Deutschen Stiftung Patientenschutz). Mit Transparenz sei es in dem komplizierten System nicht weit her. Außerdem: Gravierende Mängel würden weiterhin kaum dazu führen, dass ein Heim geschlossen werden könne.
Was der Erfinder des Systems Klaus Wingenfeld für eine der stärken hält, wird von Brysch als Nachteil gesehen: das eigene Qualitätsmanagement der Altenheime geht in die Qualitätsdarstellungen ein. „Einmal im Jahr kommt dann der MDK und soll nachvollziehen, ob die Angaben der Wahrheit entsprechen.“ Claus Fussek, Sozialarbeiter und seit Jahrzehnten Kritiker der Pflegepolitik, betont: Aus den Beitragsgeldern der Versicherten müssten etwa 100.000.000€ pro Jahr für diese Prüfungen aufgewandt werden. Ohnehin überlastetet Pflegefachkräfte müssen für’s System geschult und freigestellt werden. „Sie müssten in dieser Zeit die Patienten liegen lassen und sie anschließend für die Prüfung befragen, wie es ihnen geht.“
„Das ist Realsatire“, sagt Fussek.

Quelle: Pflege-TÜV in der Kritik: „Das ist Realsatire“, Beitarg auf www.sueddeutsche.de vom 5. Oktober 2019 (Link geprüft am 25. Oktober 2019)

Erfahrungen mit den Qualitätsdarstellungen

In Rosendahl-Osterwick wird schon seit der Projektphase mit den Qualitätsdarstellungen gearbeitet. Mitarbeitende und Leitungen seien hoch zufrieden. Es werde „nicht mehr um des Dokumentierens willen“ dokumentiert. Im neuen System begutachteten Pflegefachkräfte die Situation der Bewohner*innen und es würden relevante „Ereignisse, Veränderungen und eigene Leistungen“ beschrieben.

Quelle: Allgemeine Zeitung, 2019: Pilotversuch: Caritasverband testet neue Qualitätskontrolle in Pflegeheimen, Artikel auf www.azonline.de vom 22. Juli 2019 (Link geprüft am 26. Juli 2019)

Neue Pflegenoten: Was haben die sich dabei gedacht???

Da kommt was Neues für die Altenpflege in Deutschland. Noch im Jahr 2019 sollen die Qualitäts–Prüfungen in den Altenheimen nach einem völlig neuen System ablaufen. Bisher werden an einem Prüftag pro Jahr vor allem die Dokumentationen geprüft. Für die Pflegenoten zählt, was an diesem Tag gezeigt werden kann.

Im Neuen System der Qualitätsdarstellungen sollen die veröffentlichten Berichte zwei Bereiche beschreiben: die Arbeiten im hausinternen, laufend zu aktualisierenden Qualitätsmanagement und was ein Pfüfteam vorfand.
Im vielstufigen, seit mehr als fünf Jahren laufenden Entwicklungsprozess wurde viel Wert darauf gelegt, Erkenntnisse zur Lebensqualität der Bewohnenden darstellen zu können.

Wer knapp zwei Stunden Zeit hat kann sich ein Gespräch zwischen Klaus Wingenfeld und dem Team des Übergabe-Podcast anhören (ich mach so was mit USB Stick und Autoradio):

Qualitätsprüfverfahren in der Langzeitpflege und Indikatoren der Ergebnisqualität – Dr. K. Wingenfeld; Folge 8 des Übergabe Podcast vom 18. April 2019.

Qualitätsdarstellungen wohl erst 2020 …

In einer Pressemitteilung zur 6. Berliner Runde zur Zukunft der Pflege ist zu lesen: „Neben dem Abschluss ausstehender Vereinbarungen und der Schaffung der erforderlichen (technischen) Voraussetzungen steht eine Erprobungsphase an. Dieser Prozess soll Ende 2019 abgeschlossen sein. Bundesweit müssen sowohl die Einrichtungen als auch die Prüfdienste geschult werden.“
So ausgedrückt, könnte es auch in 2020 noch nicht so weit sein, dass das neue System der Qualitätsdarstellungen flächendeckend eingeführt wird.
🙁

Quelle: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen: Was kommt nach dem Pflege-TÜV? 6. Berliner Runde zur Zukunft der Pflege diskutiert neues System der Qualitätsdarstellung, Pressemitteilung vom 21. September 2018 (Link geprüft am 21. Oktober 2018)

Das Konzept zu den neuen Qualitätsdarstellungen wird vorgestellt

Im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums wurde an der Universität Bielefeld ein „grundlegend neues Konzept für eine realistische Qualitätsbeurteilung“ die Versorgungsqualität in Pflegeheimen entwickelt. „Eine wichtige Neuerung besteht in der Einführung einer Qualitätsbeurteilung mit Hilfe von Kennzahlen, die ursprünglich schon 2009/2010 im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums entwickelt und in den Folgejahren in zahlreichen Pflegeheimen erprobt hat. ‚Diese Kennzahlen geben Auskunft über die Versorgungsergebnisse einer Einrichtung und ermöglichen damit eine vergleichende Qualitätsbeurteilung, die es hierzulande bislang nicht gab‘, so Projektleiter Dr. Klaus Wingenfeld, Geschäftsführer des Instituts für Pflegewissenschaft (IPW). ‚Dabei steht nicht die Struktur- und Prozessqualität, sondern die Frage nach der Situation der Bewohnerinnen und Bewohner im Mittelpunkt. Es geht etwa darum, wie gut es gelingt, Mobilitätsverlust, Sturzverletzungen, die Entstehung von Druckgeschwüren oder den Einsatz freiheitseinschränkender Maßnahmen zu vermeiden‘. Die Ergebnisse der externen Qualitätsprüfungen bleiben weiterhin ein weiteres wichtiges Standbein der Qualitätsbewertung.
„Dabei besteht eines der Ziele auch darin, die einseitige Ausrichtung externer Qualitätsprüfungen auf die schriftliche Dokumentation zu beheben und das Fachgespräch sowie das Gespräch mit dem Bewohner stärker zu gewichten.“ In diesem Zusammenhang taucht zum erstem Mal offiziell der Begriff Qualitätsdarstellungen auf.
Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten wurden jetzt ans Ministerium übergeben.