Altenpflegefachkräfte mit mehr Verantwortung

Bei den Pflegenoten wird veröffentlicht, was die Prüfteams denken. Erläuterungen der Pflegenden und Einrichtungsleitungen bleiben Randbemerkungen. Für die Qualitätsdarstellungen gilt:
„Das Fachgespräch mit den verantwortlichen Pflegefachkräften ist wesentlicher Bestandteil des neuen Prüfverfahrens!“

Das werden die meisten Pflegedienstleitungen gern hören. Die Altenpflegekräfte bekommen endlich die Möglichkeit, mit zu bestimmen, was Qualität in ihrer Einrichtung ausmacht und wie das erarbeitet werden soll.

Neben allgemeinen Erläuterungen zu den Qualitätsdarstellungen schreiben GKV-Spitzenverband und MDS leider nichts zu Fragen wie:
¿Wie viel Arbeit kommt auf die Altenheime zu, um die nötigen Informationen in der geforderten Qualität zu sammeln?
¿Wie viel Schulungsaufwand muss getrieben werden, um – Wohnbereich für Wohnbereich – die Pflegefachkräfte auf die Qualitätsdarstellungen vorzubereiten?

Quelle: Neues Qualitäts- und Prüfsystem am Start: Die Qualität in den Pflegeheimen wird sich verbessern, gemeinsame Pressemitteilung von GKV-Spitzenverband und MDS auf www.gkv-spitzenverband.de vom 1. Oktober 2019 (Link geprüft am 6. Oktober 2019)

Erklärfilm

Um Pflegebedürftige und Angehörige über die Qualitätsdarstellungen zu informieren, haben die MDK eine Animation machen lassen.
Ob’s hilft das System zu verstehen? Urteilen Sie selbst:

Ich kann mir nicht vorstellen, dass aktive Altenpflegekräfte an diesem Video mit gearbeitet haben. 🙁 Georg Paaßen
2:58 min – Video auf YouTube vom 27. September 2019 (Link geprüft am 6. Oktober 2019)

Ja. ABER…

Tobias Schmidt begrüßt für die Neue Osnabrücker Zeitung, das die Realität im neuen System der Pflegenoten ungeschönt offengelegt werden solle. Mit das wichtigste sei es, dass „Schwarze Schafe“ unter den Altenheimen für Laien leicht erkennbar werden.
ABER…
Zwei Voraussetzungen müssten für jede Reform an diesem System erfüllt werden: Die Einrichtungen müssten nicht nur genug [qualifiziertes] Personal finden und das auch re-finanziert bekommen. Die Zuzahlungen der Pflegebedürftigen dürften auch nicht weiter und weiter steigen. Sonst könnten sich nur zahlungskräftige Menschen einen Platz in einer „guten“ Heim leisten.

Neuer Heim-TÜV könnte zu Zwei-Klassen-Pflege führen, Kommentar in der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 20. März 2019 (Link geprüft am 26. März 2019)

Betroffene beteiligen!

Kordula Schulz-Asche (MdB, Grüne) begrüßt, dass die Pflegenoten durch ein verlässlicheres Systen ersetzt werden sollen. Sie fordert: „Betroffene Menschen – Pflegefachleute, Pflegebedürftige und deren Angehörige sollten – stärker an der Entwicklung des neuen Qualitätsprüfverfahrens und der Qualitätsdarstellung beteiligt werden.“

Quelle: Qualitätsunterschiede in der Pflege müssen sichtbar werden!, Pressemitteilung von Kordula Schulz-Asche (21. November 2018; Link geprüft am 3. Dezember 2018)

Mehr Pflege Kompetenz in die Kommission zur Neufassung des Pflege-TÜV!

„Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer, sieht das Problem des Pflege-TÜV´s in der unzureichenden Abbildung pflegerischer Leistung und fordert deshalb eine grundlegende Umstellung. Es müssen zunehmend von Pflegefachkräften durchgeführte pflegebezogene Aktivitäten die auch präventiven Charakter zur Erhaltung der Lebensqualität haben berücksichtigt und selbstverständlich auch umfassend ausfinanziert werden. Diese bringen dem einzelnen Pflegebedürftigen wesentlich und nachhaltig mehr als viele andere zugrundeliegende Kriterien.“

Pflege-TÜV muss pflegerische Leistungen besser abbilden, Pressemitteilung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz vom 12. Oktober 2017 (Link geprüft am 26. März 2019)