Altenpflegefachkräfte mit mehr Verantwortung

Bei den Pflegenoten wird veröffentlicht, was die Prüfteams denken. Erläuterungen der Pflegenden und Einrichtungsleitungen bleiben Randbemerkungen. Für die Qualitätsdarstellungen gilt:
„Das Fachgespräch mit den verantwortlichen Pflegefachkräften ist wesentlicher Bestandteil des neuen Prüfverfahrens!“

Das werden die meisten Pflegedienstleitungen gern hören. Die Altenpflegekräfte bekommen endlich die Möglichkeit, mit zu bestimmen, was Qualität in ihrer Einrichtung ausmacht und wie das erarbeitet werden soll.

Neben allgemeinen Erläuterungen zu den Qualitätsdarstellungen schreiben GKV-Spitzenverband und MDS leider nichts zu Fragen wie:
¿Wie viel Arbeit kommt auf die Altenheime zu, um die nötigen Informationen in der geforderten Qualität zu sammeln?
¿Wie viel Schulungsaufwand muss getrieben werden, um – Wohnbereich für Wohnbereich – die Pflegefachkräfte auf die Qualitätsdarstellungen vorzubereiten?

Quelle: Neues Qualitäts- und Prüfsystem am Start: Die Qualität in den Pflegeheimen wird sich verbessern, gemeinsame Pressemitteilung von GKV-Spitzenverband und MDS auf www.gkv-spitzenverband.de vom 1. Oktober 2019 (Link geprüft am 6. Oktober 2019)

Alle schwerwiegenden Defizite werden künftig erkennbar

Bei der Veröffentlichung der Qualitätsdarstellungen werden Pflegebedürftige und Angehörige künftig erkennen können, wie die Heime bei den einzelnen Bereichen im Vergleich zu einem Durchschnitt abschneiden. Eine Gesamtbewertung sei nicht geplant. Aber alle schwerwiegenden Defizite würden künftig erkennbar, so Peter Pick (Medizinischer Dienste der Krankenkassen, MDS). Eine Gesamtnote, wie bisher, sei wissenschaftlich nicht sinnvoll.

Quelle: Neue Zeitrechnung für Qualitätsmessung in Pflegeheimen, Artikel auf www.aerzteblatt.de vom 1. Oktober 2019 (Link geprüft am 6. Oktober 2019)

Erklärfilm

Um Pflegebedürftige und Angehörige über die Qualitätsdarstellungen zu informieren, haben die MDK eine Animation machen lassen.
Ob’s hilft das System zu verstehen? Urteilen Sie selbst:

Ich kann mir nicht vorstellen, dass aktive Altenpflegekräfte an diesem Video mit gearbeitet haben. 🙁 Georg Paaßen
2:58 min – Video auf YouTube vom 27. September 2019 (Link geprüft am 6. Oktober 2019)

Neue Pflegenoten: Was haben die sich dabei gedacht???

Da kommt was Neues für die Altenpflege in Deutschland. Noch im Jahr 2019 sollen die Qualitäts–Prüfungen in den Altenheimen nach einem völlig neuen System ablaufen. Bisher werden an einem Prüftag pro Jahr vor allem die Dokumentationen geprüft. Für die Pflegenoten zählt, was an diesem Tag gezeigt werden kann.

Im Neuen System der Qualitätsdarstellungen sollen die veröffentlichten Berichte zwei Bereiche beschreiben: die Arbeiten im hausinternen, laufend zu aktualisierenden Qualitätsmanagement und was ein Pfüfteam vorfand.
Im vielstufigen, seit mehr als fünf Jahren laufenden Entwicklungsprozess wurde viel Wert darauf gelegt, Erkenntnisse zur Lebensqualität der Bewohnenden darstellen zu können.

Wer knapp zwei Stunden Zeit hat kann sich ein Gespräch zwischen Klaus Wingenfeld und dem Team des Übergabe-Podcast anhören (ich mach so was mit USB Stick und Autoradio):

Qualitätsprüfverfahren in der Langzeitpflege und Indikatoren der Ergebnisqualität – Dr. K. Wingenfeld; Folge 8 des Übergabe Podcast vom 18. April 2019.

Diskussion um die Pflegenoten 2

2019 sollen die Pläne zum Nachfolgeprojekt der Pflegenoten umgesetzt werden. Von den gesetzlichen Versicherungen kommt noch grundsätzliche Kritik. Es sei geplant die Prüfergebnisse für die einzelnen Einrichtungen verteilt über bis zu 20 Seiten zu veröffentlichen. Das ist für Laien, denen die Qualitätsdarstellungen beim Vergleich mehrerer Einrichtungen helfen sollen, nicht hilfreich.
Auch könnten in der geplanten Gesamtbewertung weiterhin Qualitätsmängel in einzelnen Bereichen verschleiert werden – selbst dann, wenn jemand zu Schaden gekommen sei,

Mehr lesen im „E-Magazin des GKV-Spitzenverbandes“, Ausgabe Dezmeber|2018.

Gute oder schlechte Qualität der Pflege? Das muss einfach zu erkennen sein.

Pflegepolitik hat das Ziel ausgegeben, die Qualitätsbewertungen in der Altenpflege verlässlicher zu machen und die Lebensqualität der Pflegebedürftigen in den Vordergrund zu stellen. Nach einigen Jahren Auftragsforschung wurden nun pflegewissenschaftlich abgesicherte Vorschläge veröffentlicht, wie das erreicht werden könnte. Es sollen für alle Altenheime auf mehr als 20 Seiten die Ergebnisse aus einem laufenden Qualitätssicherungsprozess und den jährlich statt findenden MDK Prüfungen veröffentlicht werden.
Mal praktisch: kommen drei Altenheime in die engere Wahl, können sich Pflegebedürftige/Angehörige zum Vergleich von über 24 Prüfbereichen durch etwa 70 Seiten in Fachsprache formulierter Prüfberichte arbeiten. Darüberhinaus bleibt wichtig, was in keinem Bericht stehen kann: Was wird im Bekanntenkreis über die Einrichtung berichtet?
Ist es mit so vielen Einzelinformationen noch möglich sich ein Gesamtbild zu machen? Gernot Kiefer (GKV-Spitzenverband): Gute und schlechte Qualität in der Pflege müsse für jeden einfach zu erkennen sein. „Das muss für alle Beteiligten der Gradmesser sein“, sagt Kiefer.

Quelle: Wie misst man die Qualität eines Pflegeheims?, Artikel auf www.faz.net vom 23. November (Link geprüft am 27. November)

Altenpflege ist Postleitzahlenlotto

Im »DAK Pflegereport 2018« werden unterschiede in der qualität der pflegerischen Versorgung untersucht. Man kommt zu dem Schluss: „Die bestmögliche Versorgung von pflegebedürftigen Menschen hängt in Deutschland nach wie vor maßgeblich vom jeweiligen Wohnort ab.“
Offensichtlich können daran auch viele Jahre Pflege-Qualitäts-Prüfungen durch die MDK und die Pflegenoten nichts ändern.

Quelle: MDR: DAK fordert Eigenanteil bei Pflege zu deckeln, gesendet am 14. November 2018

Privat- vor Gemeinnutz?

Gewinnorientierte Unternehmen haben an vielen Stellen die Möglichkeit Einnahmen zu erhöhen und Ausgaben zu mindern. Max Geraedts hat Untersuchungen zur Versorgungsqualität in Altenheimen in der ARD Sendung PlusMinus vorgestellt. Häuser in profitorientierter Trägerschaft wurden mit Häusern in gemeinnütziger Trägerschaft verglichen. Der Professor zeigt, dass letztere besser abschneiden.
Was die Kapitaleigner entnehmen, fehlt bei der Versorgung der Pflegebedürftigen.

Die Möglichkeiten, übermässige Geldabflüsse bei Prüfungen durch MDK oder Heimaufsicht zu entdecken, sind sehr begrenzt.

Quelle: Wie Investoren mit Pflegeheimen Gewinne maximieren, Beitrag in der Sendung vom 7. November 2018 (Link geprüft am 11. November 2018)

Reform der Heimaufsicht in NRW

In Nordrhein-Westfalen soll 2019 eine Reform des Wohn- und Teilhabegesetzes (WTG) in Kraft treten. Damit würden überflüssige Prüfvorschriften außer Kraft gesetzt und Doppelprüfungen abgeschafft. Allgemein gesagt: Die Qualität der Pflege werde künftig vom Medizinischen Dienst (MDK) geprüft. Die Heimaufsichten sollen vor allem strukturelle Kriterien wie Personalschlüssel oder Raumgröße in Augenschein nehmen. „So erhalten die Einrichtungen mehr Zeit, um sich auf eine gute Versorgung und Betreuung der Pflegebedürftigen zu konzentrieren“, erläuterte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

Wohn- und Teilhabegesetz: Opposition sieht Pläne von Gesundheitsminister Laumann kritisch, Artikel vom 15 Oktober 2018 (Link geprüft am 21. Oktober 2018)

Kommentar: 0 von 5 Punkten für die Pflegenoten

Jutta König gibt die schlechteste der möglichen Noten für die Pflegebewertung der Medizinischen Dienste: „Der MDK-Qualitätsbericht ist eine Farce: Die Versorgungsqualität spielt keine Rolle, allein die Dokumentation zählt.“

Note 5 für den MDK-Qualitätsbericht (Link geprüft am 4. Oktober 2018)