Ja. ABER…

Tobias Schmidt begrüßt für die Neue Osnabrücker Zeitung, das die Realität im neuen System der Pflegenoten ungeschönt offengelegt werden solle. Mit das wichtigste sei es, dass „Schwarze Schafe“ unter den Altenheimen für Laien leicht erkennbar werden.
ABER…
Zwei Voraussetzungen müssten für jede Reform an diesem System erfüllt werden: Die Einrichtungen müssten nicht nur genug [qualifiziertes] Personal finden und das auch re-finanziert bekommen. Die Zuzahlungen der Pflegebedürftigen dürften auch nicht weiter und weiter steigen. Sonst könnten sich nur zahlungskräftige Menschen einen Platz in einer „guten“ Heim leisten.

Neuer Heim-TÜV könnte zu Zwei-Klassen-Pflege führen, Kommentar in der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 20. März 2019 (Link geprüft am 26. März 2019)

Ergebnisse zählen

Andreas Westerfellhaus (ehem. Präsident des Deutschen Pflegerats) begrüßt die Reform der Pflegenoten. Er weißt darauf hin, das nicht mehr bewertet werde, welche Pflegestandards, etwa zur Dekubitusvermeidung aufgeschrieben worden seien. „Jetzt zählt allein das Ergebnis, ob ein Pflegebedürftiger sich wundgelegen hat oder nicht. Das war überfällig.“

Pflegebevollmächtigter lobt neuen Pflege-TÜV als Durchbruch, Artikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 20. März 2019 (Link geprüft am 26. März 2019)

Diskussion um die Pflegenoten 2

2019 sollen die Pläne zum Nachfolgeprojekt der Pflegenoten umgesetzt werden. Von den gesetzlichen Versicherungen kommt noch grundsätzliche Kritik. Es sei geplant die Prüfergebnisse für die einzelnen Einrichtungen verteilt über bis zu 20 Seiten zu veröffentlichen. Das ist für Laien, denen die Qualitätsdarstellungen beim Vergleich mehrerer Einrichtungen helfen sollen, nicht hilfreich.
Auch könnten in der geplanten Gesamtbewertung weiterhin Qualitätsmängel in einzelnen Bereichen verschleiert werden – selbst dann, wenn jemand zu Schaden gekommen sei,

Mehr lesen im „E-Magazin des GKV-Spitzenverbandes“, Ausgabe Dezmeber|2018.

Verwässerung und Verschlimmbesserung

In einem Kommentar werden die Pflegenoten als „undifferenzierte Verherrlichung aller Pflegeeinrichtungen mit Bestnoten“ bezeichnet. Das sei „eine Frechheit gegenüber alten Menschen und ihren Angehörigen“. Damit könne sich niemand im Anbieter-Dschungel zwischen „Senioren-Residenzen“ und „Pflege-Engeln“ zurechtfinden. Angesichts von keineswegs seltenen Missständen, wie „Dehydrierungen, Druckgeschwüren, Ruhigstellungen mit Psychopharmaka, Gurten und Bettgitteren“ fühlten sich manche Betroffene noch verhöhnt. Engagierte Pflegeanbieter und Pflegeprofis „die bestmögliche Versorgung bieten“ werden mit den Pflegenoten seit Jahren „demotiviert“.

Zum vorgestellten Konzept der Qualiätsdarstellungen meint Rainer Woratschka: „Der Anspruch, jetzt aber mal besonders gründlich vorzugehen und die nötigen Differenzierungen nicht wieder hinter einer platten Gesamtnote verschwinden zu lassen, mündet nach den vorliegenden Plänen in einem Papier- und Online-Wust, der Laien bei der Suche nach guter Pflege am Ende nicht unterstützt, sondern völlig überfordert.“

Quelle: Kommentar: Statt Verbesserung droht Verwässerung von Rainer Woratschka auf www.tagesspiegel.de, aktualisiert am 23. November 2018 (Link geprüft am 29. November 2018)

Betroffene beteiligen!

Kordula Schulz-Asche (MdB, Grüne) begrüßt, dass die Pflegenoten durch ein verlässlicheres Systen ersetzt werden sollen. Sie fordert: „Betroffene Menschen – Pflegefachleute, Pflegebedürftige und deren Angehörige sollten – stärker an der Entwicklung des neuen Qualitätsprüfverfahrens und der Qualitätsdarstellung beteiligt werden.“

Quelle: Qualitätsunterschiede in der Pflege müssen sichtbar werden!, Pressemitteilung von Kordula Schulz-Asche (21. November 2018; Link geprüft am 3. Dezember 2018)

Das Konzept zu den neuen Qualitätsdarstellungen wird vorgestellt

Im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums wurde an der Universität Bielefeld ein „grundlegend neues Konzept für eine realistische Qualitätsbeurteilung“ die Versorgungsqualität in Pflegeheimen entwickelt. „Eine wichtige Neuerung besteht in der Einführung einer Qualitätsbeurteilung mit Hilfe von Kennzahlen, die ursprünglich schon 2009/2010 im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums entwickelt und in den Folgejahren in zahlreichen Pflegeheimen erprobt hat. ‚Diese Kennzahlen geben Auskunft über die Versorgungsergebnisse einer Einrichtung und ermöglichen damit eine vergleichende Qualitätsbeurteilung, die es hierzulande bislang nicht gab‘, so Projektleiter Dr. Klaus Wingenfeld, Geschäftsführer des Instituts für Pflegewissenschaft (IPW). ‚Dabei steht nicht die Struktur- und Prozessqualität, sondern die Frage nach der Situation der Bewohnerinnen und Bewohner im Mittelpunkt. Es geht etwa darum, wie gut es gelingt, Mobilitätsverlust, Sturzverletzungen, die Entstehung von Druckgeschwüren oder den Einsatz freiheitseinschränkender Maßnahmen zu vermeiden‘. Die Ergebnisse der externen Qualitätsprüfungen bleiben weiterhin ein weiteres wichtiges Standbein der Qualitätsbewertung.
„Dabei besteht eines der Ziele auch darin, die einseitige Ausrichtung externer Qualitätsprüfungen auf die schriftliche Dokumentation zu beheben und das Fachgespräch sowie das Gespräch mit dem Bewohner stärker zu gewichten.“ In diesem Zusammenhang taucht zum erstem Mal offiziell der Begriff Qualitätsdarstellungen auf.
Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten wurden jetzt ans Ministerium übergeben.

Mehr Pflege Kompetenz in die Kommission zur Neufassung des Pflege-TÜV!

„Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer, sieht das Problem des Pflege-TÜV´s in der unzureichenden Abbildung pflegerischer Leistung und fordert deshalb eine grundlegende Umstellung. Es müssen zunehmend von Pflegefachkräften durchgeführte pflegebezogene Aktivitäten die auch präventiven Charakter zur Erhaltung der Lebensqualität haben berücksichtigt und selbstverständlich auch umfassend ausfinanziert werden. Diese bringen dem einzelnen Pflegebedürftigen wesentlich und nachhaltig mehr als viele andere zugrundeliegende Kriterien.“

Pflege-TÜV muss pflegerische Leistungen besser abbilden, Pressemitteilung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz vom 12. Oktober 2017 (Link geprüft am 26. März 2019)

Ein Neues wird kommen …

Nach vielen Jahren der Kritik am System der Pflegenoten, wird ganz offiziell der „Auftrag zur Entwicklung der Instrumente zur Qualitätsprüfung und -darstellung für die stationäre Pflege“ vergeben. Das Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitssystem (AQUA-Institut) und das Institut für Pflegewissenschaften der Universität Bielefeld (IPW) vergeben. Es werden auch Termine genannt: Im Sommer 2018 sollen die Ergebnisse präsentiert werden, um die „neuen Instrumente und Verfahren … 2019“ einführen zu können.