Personalausstattung

Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass auch die
Personalausstattung im Altenheim Teil der neuen Qualitätsdarstellungen
sein wird. ABER: Die „strukturellen Einrichtungsinformationen“ werden von der Einrichtungsleitung freiwillig für die Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. „Selbst die personelle Ausstattung der Einrichtung (Punkt 9), wie viele Pflegekräfte in der Einrichtung beschäftigt oder wie diese ausgebildet sind, muss also nicht verpflichtend dargestellt werden.“

Um so wichtiger:
Allen, die eine Wohnung im Altenheim suchen wird geraten folgende Fragen zu klären: „Wirkt das Personal gestresst? Hat es Zeit, auf einzelne Bewohner einzugehen? Wie viele Vollzeitpflegekräfte gibt es? Einen tieferen Eindruck bekommen Sie im Gespräch mit der Heimleitung, für das Sie ausreichend Zeit mitbringen sollten.“

Quellen:
Statt Pflegenoten – Neue Qualitätsprüfungen in Pflegeheimen, Erläuterungen auf www.verbraucherzentrale.de vom 8. Oktober 2019 (Link geprüft am 2. November 2019)
So finden Sie das passende Pflegeheim, Erläuterungen auf www.verbraucherzentrale.de vom 8. Oktober 2019 (Link geprüft am 2. November 2019)

Selbst hinsehen!

Die Verbraucherzentralen beschreiben das neue System der Qualitätsdarstellungen in über hundert Zeilen … empfehlen ABER:

„Entscheidend bleibt bei der Suche nach einem passenden Pflegeheim aber: Schauen Sie sich Einrichtungen selbst vor Ort an.“

Quelle: Statt Pflegenoten: Neue Qualitätsprüfungen in Pflegeheimen, Artikel auf www.verbraucherzentrale.nrw vom 8. Oktober 2019 (Link geprüft am 11. Oktober 2019)

Realsatire?

Für Pflegebedürftige und Angehörige seien die neuen Qualittätsdarstellungen schwerer zu durchschauen, als die „Pflegenoten“, sagt Eugen Brysch (Deutschen Stiftung Patientenschutz). Mit Transparenz sei es in dem komplizierten System nicht weit her. Außerdem: Gravierende Mängel würden weiterhin kaum dazu führen, dass ein Heim geschlossen werden könne.
Was der Erfinder des Systems Klaus Wingenfeld für eine der stärken hält, wird von Brysch als Nachteil gesehen: das eigene Qualitätsmanagement der Altenheime geht in die Qualitätsdarstellungen ein. „Einmal im Jahr kommt dann der MDK und soll nachvollziehen, ob die Angaben der Wahrheit entsprechen.“ Claus Fussek, Sozialarbeiter und seit Jahrzehnten Kritiker der Pflegepolitik, betont: Aus den Beitragsgeldern der Versicherten müssten etwa 100.000.000€ pro Jahr für diese Prüfungen aufgewandt werden. Ohnehin überlastetet Pflegefachkräfte müssen für’s System geschult und freigestellt werden. „Sie müssten in dieser Zeit die Patienten liegen lassen und sie anschließend für die Prüfung befragen, wie es ihnen geht.“
„Das ist Realsatire“, sagt Fussek.

Quelle: Pflege-TÜV in der Kritik: „Das ist Realsatire“, Beitarg auf www.sueddeutsche.de vom 5. Oktober 2019 (Link geprüft am 25. Oktober 2019)

Altenpflegefachkräfte mit mehr Verantwortung

Bei den Pflegenoten wird veröffentlicht, was die Prüfteams denken. Erläuterungen der Pflegenden und Einrichtungsleitungen bleiben Randbemerkungen. Für die Qualitätsdarstellungen gilt:
„Das Fachgespräch mit den verantwortlichen Pflegefachkräften ist wesentlicher Bestandteil des neuen Prüfverfahrens!“

Das werden die meisten Pflegedienstleitungen gern hören. Die Altenpflegekräfte bekommen endlich die Möglichkeit, mit zu bestimmen, was Qualität in ihrer Einrichtung ausmacht und wie das erarbeitet werden soll.

Neben allgemeinen Erläuterungen zu den Qualitätsdarstellungen schreiben GKV-Spitzenverband und MDS leider nichts zu Fragen wie:
¿Wie viel Arbeit kommt auf die Altenheime zu, um die nötigen Informationen in der geforderten Qualität zu sammeln?
¿Wie viel Schulungsaufwand muss getrieben werden, um – Wohnbereich für Wohnbereich – die Pflegefachkräfte auf die Qualitätsdarstellungen vorzubereiten?

Quelle: Neues Qualitäts- und Prüfsystem am Start: Die Qualität in den Pflegeheimen wird sich verbessern, gemeinsame Pressemitteilung von GKV-Spitzenverband und MDS auf www.gkv-spitzenverband.de vom 1. Oktober 2019 (Link geprüft am 6. Oktober 2019)

Alle schwerwiegenden Defizite werden künftig erkennbar

Bei der Veröffentlichung der Qualitätsdarstellungen werden Pflegebedürftige und Angehörige künftig erkennen können, wie die Heime bei den einzelnen Bereichen im Vergleich zu einem Durchschnitt abschneiden. Eine Gesamtbewertung sei nicht geplant. Aber alle schwerwiegenden Defizite würden künftig erkennbar, so Peter Pick (Medizinischer Dienste der Krankenkassen, MDS). Eine Gesamtnote, wie bisher, sei wissenschaftlich nicht sinnvoll.

Quelle: Neue Zeitrechnung für Qualitätsmessung in Pflegeheimen, Artikel auf www.aerzteblatt.de vom 1. Oktober 2019 (Link geprüft am 6. Oktober 2019)

Erklärfilm

Um Pflegebedürftige und Angehörige über die Qualitätsdarstellungen zu informieren, haben die MDK eine Animation machen lassen.
Ob’s hilft das System zu verstehen? Urteilen Sie selbst:

Ich kann mir nicht vorstellen, dass aktive Altenpflegekräfte an diesem Video mit gearbeitet haben. 🙁 Georg Paaßen
2:58 min – Video auf YouTube vom 27. September 2019 (Link geprüft am 6. Oktober 2019)

Neue Pflegenoten: Was haben die sich dabei gedacht???

Da kommt was Neues für die Altenpflege in Deutschland. Noch im Jahr 2019 sollen die Qualitäts–Prüfungen in den Altenheimen nach einem völlig neuen System ablaufen. Bisher werden an einem Prüftag pro Jahr vor allem die Dokumentationen geprüft. Für die Pflegenoten zählt, was an diesem Tag gezeigt werden kann.

Im Neuen System der Qualitätsdarstellungen sollen die veröffentlichten Berichte zwei Bereiche beschreiben: die Arbeiten im hausinternen, laufend zu aktualisierenden Qualitätsmanagement und was ein Pfüfteam vorfand.
Im vielstufigen, seit mehr als fünf Jahren laufenden Entwicklungsprozess wurde viel Wert darauf gelegt, Erkenntnisse zur Lebensqualität der Bewohnenden darstellen zu können.

Wer knapp zwei Stunden Zeit hat kann sich ein Gespräch zwischen Klaus Wingenfeld und dem Team des Übergabe-Podcast anhören (ich mach so was mit USB Stick und Autoradio):

Qualitätsprüfverfahren in der Langzeitpflege und Indikatoren der Ergebnisqualität – Dr. K. Wingenfeld; Folge 8 des Übergabe Podcast vom 18. April 2019.

Qualitätsprüfungen in Schottland

In Deutschland wurde von vorn herein viel Wert darauf gelegt, die Vergleichbarkeit mit Bewertungen über definierte Kriterien sicher zu stellen.
Das es auch anders geht zeigt das schottische „Careinspectorate“: Es gibt zu jeder Einrichtung einige Seiten Text zu lesen. Klare, für Laien verständliche Sprache, direkte Zitate von Bew. und Angehörigen, Erläuterungen zu Verbesserungsvorschlägen aus der letzten Inspektion …
Hier sind Einrichtungen zu finden:
http://www.careinspectorate.com/index.php/care-services
Hier ist ein Bericht:
http://www.careinspectorate.com/berengCareservices/html/reports/getPdfBlob.php?id=302627
Das machen die in Schottland wirklich gut, finde ich.

(Links geprüft am 2. Mai 2019)

Ja. ABER…

Tobias Schmidt begrüßt für die Neue Osnabrücker Zeitung, das die Realität im neuen System der Pflegenoten ungeschönt offengelegt werden solle. Mit das wichtigste sei es, dass „Schwarze Schafe“ unter den Altenheimen für Laien leicht erkennbar werden.
ABER…
Zwei Voraussetzungen müssten für jede Reform an diesem System erfüllt werden: Die Einrichtungen müssten nicht nur genug [qualifiziertes] Personal finden und das auch re-finanziert bekommen. Die Zuzahlungen der Pflegebedürftigen dürften auch nicht weiter und weiter steigen. Sonst könnten sich nur zahlungskräftige Menschen einen Platz in einer „guten“ Heim leisten.

Neuer Heim-TÜV könnte zu Zwei-Klassen-Pflege führen, Kommentar in der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 20. März 2019 (Link geprüft am 26. März 2019)