Erfahrungen mit den Qualitätsdarstellungen

In Rosendahl-Osterwick wird schon seit der Projektphase mit den Qualitätsdarstellungen gearbeitet. Mitarbeitende und Leitungen seien hoch zufrieden. Es werde „nicht mehr um des Dokumentierens willen“ dokumentiert. Im neuen System begutachteten Pflegefachkräfte die Situation der Bewohner*innen und es würden relevante „Ereignisse, Veränderungen und eigene Leistungen“ beschrieben.

Quelle: Allgemeine Zeitung, 2019: Pilotversuch: Caritasverband testet neue Qualitätskontrolle in Pflegeheimen, Artikel auf www.azonline.de vom 22. Juli 2019 (Link geprüft am 26. Juli 2019)

Neue Pflegenoten: Was haben die sich dabei gedacht???

Da kommt was Neues für die Altenpflege in Deutschland. Noch im Jahr 2019 sollen die Qualitäts–Prüfungen in den Altenheimen nach einem völlig neuen System ablaufen. Bisher werden an einem Prüftag pro Jahr vor allem die Dokumentationen geprüft. Für die Pflegenoten zählt, was an diesem Tag gezeigt werden kann.

Im Neuen System der Qualitätsdarstellungen sollen die veröffentlichten Berichte zwei Bereiche beschreiben: die Arbeiten im hausinternen, laufend zu aktualisierenden Qualitätsmanagement und was ein Pfüfteam vorfand.
Im vielstufigen, seit mehr als fünf Jahren laufenden Entwicklungsprozess wurde viel Wert darauf gelegt, Erkenntnisse zur Lebensqualität der Bewohnenden darstellen zu können.

Wer knapp zwei Stunden Zeit hat kann sich ein Gespräch zwischen Klaus Wingenfeld und dem Team des Übergabe-Podcast anhören (ich mach so was mit USB Stick und Autoradio):

Qualitätsprüfverfahren in der Langzeitpflege und Indikatoren der Ergebnisqualität – Dr. K. Wingenfeld; Folge 8 des Übergabe Podcast vom 18. April 2019.

Qualitätsprüfungen in Schottland

In Deutschland wurde von vorn herein viel Wert darauf gelegt, die Vergleichbarkeit mit Bewertungen über definierte Kriterien sicher zu stellen.
Das es auch anders geht zeigt das schottische „Careinspectorate“: Es gibt zu jeder Einrichtung einige Seiten Text zu lesen. Klare, für Laien verständliche Sprache, direkte Zitate von Bew. und Angehörigen, Erläuterungen zu Verbesserungsvorschlägen aus der letzten Inspektion …
Hier sind Einrichtungen zu finden:
http://www.careinspectorate.com/index.php/care-services
Hier ist ein Bericht:
http://www.careinspectorate.com/berengCareservices/html/reports/getPdfBlob.php?id=302627
Das machen die in Schottland wirklich gut, finde ich.

(Links geprüft am 2. Mai 2019)

Ja. ABER…

Tobias Schmidt begrüßt für die Neue Osnabrücker Zeitung, das die Realität im neuen System der Pflegenoten ungeschönt offengelegt werden solle. Mit das wichtigste sei es, dass „Schwarze Schafe“ unter den Altenheimen für Laien leicht erkennbar werden.
ABER…
Zwei Voraussetzungen müssten für jede Reform an diesem System erfüllt werden: Die Einrichtungen müssten nicht nur genug [qualifiziertes] Personal finden und das auch re-finanziert bekommen. Die Zuzahlungen der Pflegebedürftigen dürften auch nicht weiter und weiter steigen. Sonst könnten sich nur zahlungskräftige Menschen einen Platz in einer „guten“ Heim leisten.

Neuer Heim-TÜV könnte zu Zwei-Klassen-Pflege führen, Kommentar in der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 20. März 2019 (Link geprüft am 26. März 2019)

Ergebnisse zählen

Andreas Westerfellhaus (ehem. Präsident des Deutschen Pflegerats) begrüßt die Reform der Pflegenoten. Er weißt darauf hin, das nicht mehr bewertet werde, welche Pflegestandards, etwa zur Dekubitusvermeidung aufgeschrieben worden seien. „Jetzt zählt allein das Ergebnis, ob ein Pflegebedürftiger sich wundgelegen hat oder nicht. Das war überfällig.“

Pflegebevollmächtigter lobt neuen Pflege-TÜV als Durchbruch, Artikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 20. März 2019 (Link geprüft am 26. März 2019)

Einen Schritt weiter

Das Ärzteblatt berichtet, im Qualitätsausschuss Pflege sei die Neufassung des „Pflege-TÜVs“ für stationäre Pflegeeinrichtungen am 20. März 2019 abgesegnet worden.

Für den nächste Schritt hat das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) zwei Monate Zeit. Gibt’s vom Ministrium keine Beanstandungen, werden die Beschlüsse auf www.gs-qsa-pflege.de veröffentlicht und damit wirksam.

Es sei geplant am 1. November 2019 mit den Prüfungen nach dem neuen System zu beginnen. Dann könnten im Frühjahr 2020 die ersten „Qualitätsinformationen“ veröffentlicht und bis zum Ende des Jahres 2020 sollen alle Einrichtungen einmal geprüft werden.

Zum Artikel auf www.aerzteblatt.de vom 20. März 2019 (Link geprüft am 21. März 2019)

Heimaufsicht in Schleswig–Holstein

Der NDR berichtet zum wiederholten Mal über die Arbeit der Heimaufsichtsbehörden im Bundesland Schleswig–Holstein. Irgendwie klingt es schon nach „Erfolg“, wenn 7 von 15 Heimaufsichten melden: Jede Einrichtung im Bezirk im Jahr 2018 mindestens 1 mal besucht.

So sieht Pflegepolitik im Alltag aus.

Quelle: Kontrollen bei Pflegeheimen haben weiter Lücken, Nachricht auf www.ndr.de vom 2. Januar 2019 (Link geprüft am 12. Februar 2019)

Diskussion um die Pflegenoten 2

2019 sollen die Pläne zum Nachfolgeprojekt der Pflegenoten umgesetzt werden. Von den gesetzlichen Versicherungen kommt noch grundsätzliche Kritik. Es sei geplant die Prüfergebnisse für die einzelnen Einrichtungen verteilt über bis zu 20 Seiten zu veröffentlichen. Das ist für Laien, denen die Qualitätsdarstellungen beim Vergleich mehrerer Einrichtungen helfen sollen, nicht hilfreich.
Auch könnten in der geplanten Gesamtbewertung weiterhin Qualitätsmängel in einzelnen Bereichen verschleiert werden – selbst dann, wenn jemand zu Schaden gekommen sei,

Mehr lesen im „E-Magazin des GKV-Spitzenverbandes“, Ausgabe Dezmeber|2018.

Gute oder schlechte Qualität der Pflege? Das muss einfach zu erkennen sein.

Pflegepolitik hat das Ziel ausgegeben, die Qualitätsbewertungen in der Altenpflege verlässlicher zu machen und die Lebensqualität der Pflegebedürftigen in den Vordergrund zu stellen. Nach einigen Jahren Auftragsforschung wurden nun pflegewissenschaftlich abgesicherte Vorschläge veröffentlicht, wie das erreicht werden könnte. Es sollen für alle Altenheime auf mehr als 20 Seiten die Ergebnisse aus einem laufenden Qualitätssicherungsprozess und den jährlich statt findenden MDK Prüfungen veröffentlicht werden.
Mal praktisch: kommen drei Altenheime in die engere Wahl, können sich Pflegebedürftige/Angehörige zum Vergleich von über 24 Prüfbereichen durch etwa 70 Seiten in Fachsprache formulierter Prüfberichte arbeiten. Darüberhinaus bleibt wichtig, was in keinem Bericht stehen kann: Was wird im Bekanntenkreis über die Einrichtung berichtet?
Ist es mit so vielen Einzelinformationen noch möglich sich ein Gesamtbild zu machen? Gernot Kiefer (GKV-Spitzenverband): Gute und schlechte Qualität in der Pflege müsse für jeden einfach zu erkennen sein. „Das muss für alle Beteiligten der Gradmesser sein“, sagt Kiefer.

Quelle: Wie misst man die Qualität eines Pflegeheims?, Artikel auf www.faz.net vom 23. November (Link geprüft am 27. November)

Verwässerung und Verschlimmbesserung

In einem Kommentar werden die Pflegenoten als „undifferenzierte Verherrlichung aller Pflegeeinrichtungen mit Bestnoten“ bezeichnet. Das sei „eine Frechheit gegenüber alten Menschen und ihren Angehörigen“. Damit könne sich niemand im Anbieter-Dschungel zwischen „Senioren-Residenzen“ und „Pflege-Engeln“ zurechtfinden. Angesichts von keineswegs seltenen Missständen, wie „Dehydrierungen, Druckgeschwüren, Ruhigstellungen mit Psychopharmaka, Gurten und Bettgitteren“ fühlten sich manche Betroffene noch verhöhnt. Engagierte Pflegeanbieter und Pflegeprofis „die bestmögliche Versorgung bieten“ werden mit den Pflegenoten seit Jahren „demotiviert“.

Zum vorgestellten Konzept der Qualiätsdarstellungen meint Rainer Woratschka: „Der Anspruch, jetzt aber mal besonders gründlich vorzugehen und die nötigen Differenzierungen nicht wieder hinter einer platten Gesamtnote verschwinden zu lassen, mündet nach den vorliegenden Plänen in einem Papier- und Online-Wust, der Laien bei der Suche nach guter Pflege am Ende nicht unterstützt, sondern völlig überfordert.“

Quelle: Kommentar: Statt Verbesserung droht Verwässerung von Rainer Woratschka auf www.tagesspiegel.de, aktualisiert am 23. November 2018 (Link geprüft am 29. November 2018)