Altenpflege ist Postleitzahlenlotto

Im »DAK Pflegereport 2018« werden unterschiede in der qualität der pflegerischen Versorgung untersucht. Man kommt zu dem Schluss: „Die bestmögliche Versorgung von pflegebedürftigen Menschen hängt in Deutschland nach wie vor maßgeblich vom jeweiligen Wohnort ab.“
Offensichtlich können daran auch viele Jahre Pflege-Qualitäts-Prüfungen durch die MDK und die Pflegenoten nichts ändern.

Quelle: MDR: DAK fordert Eigenanteil bei Pflege zu deckeln, gesendet am 14. November 2018

Privat- vor Gemeinnutz?

Gewinnorientierte Unternehmen haben an vielen Stellen die Möglichkeit Einnahmen zu erhöhen und Ausgaben zu mindern. Max Geraedts hat Untersuchungen zur Versorgungsqualität in Altenheimen in der ARD Sendung PlusMinus vorgestellt. Häuser in profitorientierter Trägerschaft wurden mit Häusern in gemeinnütziger Trägerschaft verglichen. Der Professor zeigt, dass letztere besser abschneiden.
Was die Kapitaleigner entnehmen, fehlt bei der Versorgung der Pflegebedürftigen.

Die Möglichkeiten, übermässige Geldabflüsse bei Prüfungen durch MDK oder Heimaufsicht zu entdecken, sind sehr begrenzt.

Quelle: Wie Investoren mit Pflegeheimen Gewinne maximieren, Beitrag in der Sendung vom 7. November 2018 (Link geprüft am 11. November 2018)

Reform der Heimaufsicht in NRW

In Nordrhein-Westfalen soll 2019 eine Reform des Wohn- und Teilhabegesetzes (WTG) in Kraft treten. Damit würden überflüssige Prüfvorschriften außer Kraft gesetzt und Doppelprüfungen abgeschafft. Allgemein gesagt: Die Qualität der Pflege werde künftig vom Medizinischen Dienst (MDK) geprüft. Die Heimaufsichten sollen vor allem strukturelle Kriterien wie Personalschlüssel oder Raumgröße in Augenschein nehmen. „So erhalten die Einrichtungen mehr Zeit, um sich auf eine gute Versorgung und Betreuung der Pflegebedürftigen zu konzentrieren“, erläuterte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

Wohn- und Teilhabegesetz: Opposition sieht Pläne von Gesundheitsminister Laumann kritisch, Artikel vom 15 Oktober 2018 (Link geprüft am 21. Oktober 2018)

Smart im Seniorenheim

Die smarte digitale Reise geht in Richtung „seniorengerechte Systeme“. Es werden Haushaltsroboter, vernetzte Pflegesessel, Sturzsensoren oder Sprachassistenzen entwickelt. Ob das zu einer Rundum-Überwachung für das „altersgerechte Leben daheim“ führt?

Die Bundesregierung finanziert das Programm »Pflegeinnovationen 2020«. Mensch-Technik-Interaktionen sollen als „Pflegeassistenzen“ vorangebracht werden. Die Forschung ist in Aufbruchsstimmung und auch der Markt boomt. Im Radiofeature geht’s vor allem um Technik, die Menschen hilft Bewegungseinschränkungen im Alltag ohne menschliche Hilfe zu bewältigen. Was von Fitness APPs bekannt ist, kommt als Sensoren zur Erfassung von Gesundheitsdaten in die Altenhilfe. Auch das System PEPPER/ROBBIE, dass in der Freizeitbeschäftigung eingesetzt werden kann, wird beschrieben.

… Und wie könnten solche Techniken in den Qualitätsdarstellungen berücksichtigt werden?

Audio Datei und Mitschrift gibt’s auf: Omas digitale WG (Link geprüft am 4. Oktober 2018)

Einsamkeit …

Für die Lebensqualität in einem Altenheim ist vielleicht wichtiger, was die Uni Köln 2018 herausfand: „Fast jede fünfte hochaltrige Person in vollstationärer Versorgung fühlt sich meistens oder (fast) immer einsam, während es in der Gesamtgruppe aller Hochaltrigen 6 % sind.“ Der „gesunde Menschenverstand“ erwartet, dass es, allein in einer Wohnung lebend, mehr Probleme mit dem Gefühl Einsamkeit gibt. Es wird kaum möglich sein, mit bürokratischen Prüfungen etwas gegen diese Gefühle zu tun.

Quelle: Universität Köln, 2018: Kölner Hochaltrigenstudie NRW80+: Mehrheit der über 80-jährigen mit Lebenssituation zufrieden, Pressemitteilung vom 21. September 2018 (Link geprüft am 4. Oktober 2018)

Qualitätsdarstellungen wohl erst 2020 …

In einer Pressemitteilung zur 6. Berliner Runde zur Zukunft der Pflege ist zu lesen: „Neben dem Abschluss ausstehender Vereinbarungen und der Schaffung der erforderlichen (technischen) Voraussetzungen steht eine Erprobungsphase an. Dieser Prozess soll Ende 2019 abgeschlossen sein. Bundesweit müssen sowohl die Einrichtungen als auch die Prüfdienste geschult werden.“
So ausgedrückt, könnte es auch in 2020 noch nicht so weit sein, dass das neue System der Qualitätsdarstellungen flächendeckend eingeführt wird.
🙁

Quelle: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen: Was kommt nach dem Pflege-TÜV? 6. Berliner Runde zur Zukunft der Pflege diskutiert neues System der Qualitätsdarstellung, Pressemitteilung vom 21. September 2018 (Link geprüft am 21. Oktober 2018)

Werden die Pflegenoten 2019 abgeschafft?

Auf den Internetseiten des Bundesministerium für Gesundheit wird unter der Überschrift: Qualität und Transparenz in der Pflege angekündigt, dass der neue „Pflege-TÜV“ mit den Qualitätsdarstellungen noch 2019 umgesetzt werden soll. Das würde das Ende der vielgeschmähten Pflegenoten bedeuten.

(Link geprüft am 4. Oktober 2018)

Das Konzept zu den neuen Qualitätsdarstellungen wird vorgestellt

Im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums wurde an der Universität Bielefeld ein „grundlegend neues Konzept für eine realistische Qualitätsbeurteilung“ die Versorgungsqualität in Pflegeheimen entwickelt. „Eine wichtige Neuerung besteht in der Einführung einer Qualitätsbeurteilung mit Hilfe von Kennzahlen, die ursprünglich schon 2009/2010 im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums entwickelt und in den Folgejahren in zahlreichen Pflegeheimen erprobt hat. ‚Diese Kennzahlen geben Auskunft über die Versorgungsergebnisse einer Einrichtung und ermöglichen damit eine vergleichende Qualitätsbeurteilung, die es hierzulande bislang nicht gab‘, so Projektleiter Dr. Klaus Wingenfeld, Geschäftsführer des Instituts für Pflegewissenschaft (IPW). ‚Dabei steht nicht die Struktur- und Prozessqualität, sondern die Frage nach der Situation der Bewohnerinnen und Bewohner im Mittelpunkt. Es geht etwa darum, wie gut es gelingt, Mobilitätsverlust, Sturzverletzungen, die Entstehung von Druckgeschwüren oder den Einsatz freiheitseinschränkender Maßnahmen zu vermeiden‘. Die Ergebnisse der externen Qualitätsprüfungen bleiben weiterhin ein weiteres wichtiges Standbein der Qualitätsbewertung.
„Dabei besteht eines der Ziele auch darin, die einseitige Ausrichtung externer Qualitätsprüfungen auf die schriftliche Dokumentation zu beheben und das Fachgespräch sowie das Gespräch mit dem Bewohner stärker zu gewichten.“ In diesem Zusammenhang taucht zum erstem Mal offiziell der Begriff Qualitätsdarstellungen auf.
Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten wurden jetzt ans Ministerium übergeben.

Volksverdummung

Auf dem Hauptstadtkongress wird auch über die Pflegenoten diskutiert. Eugen Brysch spricht von einem „Instrument der Volksverdummung“. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn formuliert weniger drastisch, der Pflege-TÜV sei „unbefriedigend, so wie er im Moment ist“. Lange bevor er Minister wurde, kritisierte Spahn, das dem hohen bürokratischen Aufwand ein „äußerst geringer Nutzen für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen“ gegenüber stehe.

Auslaufmodell? Debatte um umstrittenen Pflege-TÜV, Artikel auf www.aerztezeitung.de vom 6. Juni 2018 (Link geprüft am 4. Oktober 2018)

Kommentar: 0 von 5 Punkten für die Pflegenoten

Jutta König gibt die schlechteste der möglichen Noten für die Pflegebewertung der Medizinischen Dienste: „Der MDK-Qualitätsbericht ist eine Farce: Die Versorgungsqualität spielt keine Rolle, allein die Dokumentation zählt.“

Note 5 für den MDK-Qualitätsbericht (Link geprüft am 4. Oktober 2018)