Heimaufsicht in Schleswig–Holstein

Der NDR berichtet zum wiederholten Mal über die Arbeit der Heimaufsichtsbehörden im Bundesland Schleswig–Holstein. Irgendwie klingt es schon nach „Erfolg“, wenn 7 von 15 Heimaufsichten melden: Jede Einrichtung im Bezirk im Jahr 2018 mindestens 1 mal besucht.

So sieht Pflegepolitik im Alltag aus.

Quelle: Kontrollen bei Pflegeheimen haben weiter Lücken, Nachricht auf www.ndr.de vom 2. Januar 2019 (Link geprüft am 12. Februar 2019)

Diskussion um die Pflegenoten 2

2019 sollen die Pläne zum Nachfolgeprojekt der Pflegenoten umgesetzt werden. Von den gesetzlichen Versicherungen kommt noch grundsätzliche Kritik. Es sei geplant die Prüfergebnisse für die einzelnen Einrichtungen verteilt über bis zu 20 Seiten zu veröffentlichen. Das ist für Laien, denen die Qualitätsdarstellungen beim Vergleich mehrerer Einrichtungen helfen sollen, nicht hilfreich.
Auch könnten in der geplanten Gesamtbewertung weiterhin Qualitätsmängel in einzelnen Bereichen verschleiert werden – selbst dann, wenn jemand zu Schaden gekommen sei,

Mehr lesen im „E-Magazin des GKV-Spitzenverbandes“, Ausgabe Dezmeber|2018.

Gute oder schlechte Qualität der Pflege? Das muss einfach zu erkennen sein.

Pflegepolitik hat das Ziel ausgegeben, die Qualitätsbewertungen in der Altenpflege verlässlicher zu machen und die Lebensqualität der Pflegebedürftigen in den Vordergrund zu stellen. Nach einigen Jahren Auftragsforschung wurden nun pflegewissenschaftlich abgesicherte Vorschläge veröffentlicht, wie das erreicht werden könnte. Es sollen für alle Altenheime auf mehr als 20 Seiten die Ergebnisse aus einem laufenden Qualitätssicherungsprozess und den jährlich statt findenden MDK Prüfungen veröffentlicht werden.
Mal praktisch: kommen drei Altenheime in die engere Wahl, können sich Pflegebedürftige/Angehörige zum Vergleich von über 24 Prüfbereichen durch etwa 70 Seiten in Fachsprache formulierter Prüfberichte arbeiten. Darüberhinaus bleibt wichtig, was in keinem Bericht stehen kann: Was wird im Bekanntenkreis über die Einrichtung berichtet?
Ist es mit so vielen Einzelinformationen noch möglich sich ein Gesamtbild zu machen? Gernot Kiefer (GKV-Spitzenverband): Gute und schlechte Qualität in der Pflege müsse für jeden einfach zu erkennen sein. „Das muss für alle Beteiligten der Gradmesser sein“, sagt Kiefer.

Quelle: Wie misst man die Qualität eines Pflegeheims?, Artikel auf www.faz.net vom 23. November (Link geprüft am 27. November)

Verwässerung und Verschlimmbesserung

In einem Kommentar werden die Pflegenoten als „undifferenzierte Verherrlichung aller Pflegeeinrichtungen mit Bestnoten“ bezeichnet. Das sei „eine Frechheit gegenüber alten Menschen und ihren Angehörigen“. Damit könne sich niemand im Anbieter-Dschungel zwischen „Senioren-Residenzen“ und „Pflege-Engeln“ zurechtfinden. Angesichts von keineswegs seltenen Missständen, wie „Dehydrierungen, Druckgeschwüren, Ruhigstellungen mit Psychopharmaka, Gurten und Bettgitteren“ fühlten sich manche Betroffene noch verhöhnt. Engagierte Pflegeanbieter und Pflegeprofis „die bestmögliche Versorgung bieten“ werden mit den Pflegenoten seit Jahren „demotiviert“.

Zum vorgestellten Konzept der Qualiätsdarstellungen meint Rainer Woratschka: „Der Anspruch, jetzt aber mal besonders gründlich vorzugehen und die nötigen Differenzierungen nicht wieder hinter einer platten Gesamtnote verschwinden zu lassen, mündet nach den vorliegenden Plänen in einem Papier- und Online-Wust, der Laien bei der Suche nach guter Pflege am Ende nicht unterstützt, sondern völlig überfordert.“

Quelle: Kommentar: Statt Verbesserung droht Verwässerung von Rainer Woratschka auf www.tagesspiegel.de, aktualisiert am 23. November 2018 (Link geprüft am 29. November 2018)

Betroffene beteiligen!

Kordula Schulz-Asche (MdB, Grüne) begrüßt, dass die Pflegenoten durch ein verlässlicheres Systen ersetzt werden sollen. Sie fordert: „Betroffene Menschen – Pflegefachleute, Pflegebedürftige und deren Angehörige sollten – stärker an der Entwicklung des neuen Qualitätsprüfverfahrens und der Qualitätsdarstellung beteiligt werden.“

Quelle: Qualitätsunterschiede in der Pflege müssen sichtbar werden!, Pressemitteilung von Kordula Schulz-Asche (21. November 2018; Link geprüft am 3. Dezember 2018)

Pflegestufen <-> Pflegegrade

Es ist nicht einfach zu bestimmen, wie viele Pflegekräfte in einem Altenheim arbeiten müssen, damit die Bewohner*innen versorgt werdn können. Seit den 1990er Jahren werden in diesem Zusammenhang Pflegestufen als Orientierungsgrößen genutzt.
Die Fachzeitschrift Altenpflege hat über 700 Pflegefachkräfte befragt: bilden die Pflegegrade den Personalbedarf realistischer ab als die Pflegestufen? Eine kleine Mehrheit bejaht diese Frage. Eine deutliche Mehrheit urteilt: Die Pflegegrade sind nicht genau genug.

Quelle: Zeitschrift Altenpflege, 19. November 2018 (Link geprüft am 3. Dezember 2018)

Altenpflege ist Postleitzahlenlotto

Im »DAK Pflegereport 2018« werden unterschiede in der qualität der pflegerischen Versorgung untersucht. Man kommt zu dem Schluss: „Die bestmögliche Versorgung von pflegebedürftigen Menschen hängt in Deutschland nach wie vor maßgeblich vom jeweiligen Wohnort ab.“
Offensichtlich können daran auch viele Jahre Pflege-Qualitäts-Prüfungen durch die MDK und die Pflegenoten nichts ändern.

Quelle: MDR: DAK fordert Eigenanteil bei Pflege zu deckeln, gesendet am 14. November 2018

Privat- vor Gemeinnutz?

Gewinnorientierte Unternehmen haben an vielen Stellen die Möglichkeit Einnahmen zu erhöhen und Ausgaben zu mindern. Max Geraedts hat Untersuchungen zur Versorgungsqualität in Altenheimen in der ARD Sendung PlusMinus vorgestellt. Häuser in profitorientierter Trägerschaft wurden mit Häusern in gemeinnütziger Trägerschaft verglichen. Der Professor zeigt, dass letztere besser abschneiden.
Was die Kapitaleigner entnehmen, fehlt bei der Versorgung der Pflegebedürftigen.

Die Möglichkeiten, übermässige Geldabflüsse bei Prüfungen durch MDK oder Heimaufsicht zu entdecken, sind sehr begrenzt.

Quelle: Wie Investoren mit Pflegeheimen Gewinne maximieren, Beitrag in der Sendung vom 7. November 2018 (Link geprüft am 11. November 2018)

Reform der Heimaufsicht in NRW

In Nordrhein-Westfalen soll 2019 eine Reform des Wohn- und Teilhabegesetzes (WTG) in Kraft treten. Damit würden überflüssige Prüfvorschriften außer Kraft gesetzt und Doppelprüfungen abgeschafft. Allgemein gesagt: Die Qualität der Pflege werde künftig vom Medizinischen Dienst (MDK) geprüft. Die Heimaufsichten sollen vor allem strukturelle Kriterien wie Personalschlüssel oder Raumgröße in Augenschein nehmen. „So erhalten die Einrichtungen mehr Zeit, um sich auf eine gute Versorgung und Betreuung der Pflegebedürftigen zu konzentrieren“, erläuterte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

Wohn- und Teilhabegesetz: Opposition sieht Pläne von Gesundheitsminister Laumann kritisch, Artikel vom 15 Oktober 2018 (Link geprüft am 21. Oktober 2018)

Smart im Seniorenheim

Die smarte digitale Reise geht in Richtung „seniorengerechte Systeme“. Es werden Haushaltsroboter, vernetzte Pflegesessel, Sturzsensoren oder Sprachassistenzen entwickelt. Ob das zu einer Rundum-Überwachung für das „altersgerechte Leben daheim“ führt?

Die Bundesregierung finanziert das Programm »Pflegeinnovationen 2020«. Mensch-Technik-Interaktionen sollen als „Pflegeassistenzen“ vorangebracht werden. Die Forschung ist in Aufbruchsstimmung und auch der Markt boomt. Im Radiofeature geht’s vor allem um Technik, die Menschen hilft Bewegungseinschränkungen im Alltag ohne menschliche Hilfe zu bewältigen. Was von Fitness APPs bekannt ist, kommt als Sensoren zur Erfassung von Gesundheitsdaten in die Altenhilfe. Auch das System PEPPER/ROBBIE, dass in der Freizeitbeschäftigung eingesetzt werden kann, wird beschrieben.

… Und wie könnten solche Techniken in den Qualitätsdarstellungen berücksichtigt werden?

Audio Datei und Mitschrift gibt’s auf: Omas digitale WG (Link geprüft am 4. Oktober 2018)